Der Haushalt 2010
Meine Damen und Herren des Gemeinderats,
ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche
Maßnahmen. In den 19 Jahren in denen ich jetzt
bei der Gemeinde bin, habe ich noch nicht erlebt,
dass für die Aufstellung des Haushaltes ein derartiger
Aufwand betrieben werden musste. Wir alle
haben auch noch nicht einen solchen weltweiten
Konjunktureinbruch erlebt, mit der Folge, dass sich
schlechte Wirtschaftsdaten sehr schnell und umfassend
auf den kommunalen Haushalt ausgewirkt
haben.
Der Einbruch bei der Einkommensteuer um circa 20 %, etwa 1,3 Millionen €, der sich ja bereits im Dezember abzeichnete, erforderte eine wesentlich aufwändigere Vorplanung als ein Haushalt in normalen Zeiten. Die Verwaltung hat eine ämterübergreifende Sparrunde einberufen, die vor der Vorlage an den Gemeinderat alle Haushaltsstellen überprüft und erforderliche Einsparungen für 2010 vorgeschlagen hat. Diese Prüfung ergab im Verwaltungshaushalt ein Einsparungspotenzial von etwa 820.000 €. Teilweise wurde bis in den 50 Euro- Bereich eingegriffen. Es ist absolut nicht alltäglich, so tief einzusteigen. Der Vermögenshaushalt wurde ebenfalls geprüft und es wurden Summen in Höhe von circa 2,4 Mio. Euro an Einsparungsmöglichkeiten für 2010 ermittelt. Diese Einsparungen wurden in insgesamt drei Fraktionssprechersitzungen mit den Vertretern des Gemeinderates durchgesprochen, verfeinert und mündeten schließlich in einen Haushaltsvorschlag für die Gremien, der vom Hauptverwaltungsausschuss mit 8 : 1 Stimmen dem Gemeinderat empfohlen wird.
Es war der Verwaltung wichtig, die Gemeinderatsfraktionen
so früh wie möglich in diesen Einsparprozess
mit einzubinden. Dadurch konnte bereits
während der Aufstellungsphase des Haushaltes eine
weitgehende Übereinstimmung zwischen der
Verwaltung und dem Gemeinderat bei den Einsparungsvorschlägen
erzielt werden.
Es wurden die notwendigen und richtigen Kompromisse
gefunden zwischen der großen Verringerung
der Ausgaben einerseits und einer maßvollen
Mehrbelastung der Bürger andererseits. Die Fraktionen
haben auf eine mögliche Erhöhung der
Grundsteuer A und B sowie auf eine Erhöhung der
Gewerbesteuer verzichtet. Stattdessen wurde die
Erhebung der Konzessionsabgabe im Gemeinderat
beschlossen, die der Gemeinde etwa 210.000 €
jährlich einbringt und die privaten Haushalte mit
etwa durchschnittlich 40 € im Jahr belasten wird.
Nachdem Zorneding jetzt auch die Konzessionsabgabe
erhebt, gibt es nur noch eine Gemeinde im
Landkreis, die das nicht tut (Anmerkung: inzwischen
auch dort eingeführt).
Entgegen einer landläufigen Meinung hat die Erhöhung
der Friedhofsgebühren keinen Zusammenhang
mit der Haushaltsentwicklung. Diese Erhöhung
beruht auf einer Prüfungsbemerkung des
Bayerischen Kommunalen Rechnungsprüfungsverbandes,
war deshalb von der Kommunalaufsicht
rechtlich geboten und hätte auch ohne aktuelle negative
Haushaltsentwicklung beschlossen werden
müssen.
Dieser Haushalt ist geprägt von den weltweiten
Konjunktureinbrüchen, wie sie sich 2008 und 2009
dargestellt haben. Es ist ein zwangsläufiger Sparhaushalt,
der trotzdem noch wichtige Weichenstellungen
und Investitionen enthält, die die Gemeinde
als Pflichtaufgabe erfüllen muss, aber auch Investitionen,
die der Verbesserung der Lebensqualität
der Bevölkerung dienen.
Insgesamt gesehen sind unabwendbare Steigerungen
auf der Ausgabenseite noch moderat abgelaufen. Im Hinblick auf etwaige Defizite im Kinderbetreuungsbereich
und der Erhöhung der Kreisumlage
ist unsere Gemeinde noch nicht so betroffen
wie andere Gemeinden im Landkreis. In den Zeitungen
können Sie verfolgen, dass es vielen anderen
Kommunen bei der Haushaltsaufstellung wesentlich
schlechter geht, wiederum andere haben
fast keinen Rückgang zu verzeichnen. Zorneding
liegt dabei etwa in der Mitte.
Der starke Einbruch bei der Gewerbesteuer, den
viele andere Gemeinden verzeichnen, ist bei uns
schon in den vergangenen Haushaltsjahren erfolgt
und deshalb bereits bei den Ansätzen des vergangenen
Jahres berücksichtigt worden. Insofern war
dies für uns keine Überraschung. Wir haben sowieso
im Verhältnis zum Gesamthaushalt keine großen
Gewerbesteuereinnahmen. Im neuen Haushalt
können wir sogar jetzt einen leichten Anstieg in die
Planung einstellen. Was die Einkommensteuer
bringt, müssen wir noch abwarten. Vorerst werden
wir noch mit dem im Dezember vom Statistischen
Landesamt angekündigten Betrag kalkulieren. Eine
verlässliche Trendvoraussage kann erst zum Nachtragshaushalt
gemacht werden.
Ein wirkliches Novum für Zorneding ist, dass trotz
der Einsparungen und der Erhebung der Konzessionsabgabe,
die Gemeinde einen Betrag aus den
Rücklagen entnehmen muss, um den Verwaltungshaushalt
ausgleichen zu können. „Spare bei
der Zeit, dann hast Du in der Not“ – diese Volksweisheit
bewahrheitet sich jetzt schmerzlich. Ohne
die Rücklagen wäre es um Zorneding wesentlich
schlechter bestellt. Selbstverständlich müssen der
Gemeinderat und die Verwaltung darauf hinarbeiten und wegweisende Entscheidungen treffen,
dass dieser Zustand der Rücklagenentnahme
schnellstmöglich wieder beendet wird. Ein Teil
meiner Hoffnungen richtet sich auf die seit Monaten
anhaltende Erholung bzw. Normalisierung der Wirtschaftsdaten
und der Arbeitsmarktlage. Wenn diese
so anhält, sehe ich, mit der obligatorischen Zeitverzögerung
von zwei Jahren, Ende nächsten Jahres
wieder Licht am Ende des Tunnels.
Nun zu den konkreten Vorhaben in diesem Haushaltsjahr.
Ich greife einige wichtige Punkte aus dem
Verwaltungs- und Vermögenshaushalt heraus.
Die Einnahmen des Verwaltungshaushaltes sinken
um 670.000 Euro. Hauptsächlich ist dies auf die zurückgehende
Einkommensteuer von effektiv 5,7
Millionen Euro für 2009 auf 4,9 Millionen Euro für
2010 zurückzuführen. 2008 hatten wir noch 6,4 Millionen
Euro Einkommensteuer. In den Einnahmen
sind aber auch als Verlustausgleich 574.000 Euro
Zuführung von den Rücklagen enthalten. Die Erhebung
der Konzessionsabgabe schlägt dieses Jahr
mit etwa 105.000 Euro Einnahmen zu Buche.
Bei den Ausgaben des Verwaltungshaushaltes sind
die Hauptsteigerungen bei der Kreisumlage mit
67.000 Euro, bei den Kinderbetreuungskosten mit
brutto 127.000 Euro und bei der Gewerbesteuerumlage
mit 50.000 Euro. Bei den Bewirtschaftungskosten
für Gebäude können wir eine Einsparung
von 116.000 Euro verzeichnen. Bei den Personalkosten
ist eine Steigerung von 21.000 Euro zu
verzeichnen. Diese sind hauptsächlich auf die zum
Jahresanfang abgeschlossenen Tarifverträge zurückzuführen,
die auch zu einer Steigerung der
Lohnnebenkosten führen.

Die Einnahmen und Ausgaben des Verwaltungshaushalts
mit
11.062.300 Euro sind das Ergebnis
der Einsparungsmaßnahmen. Selbstverständlich
werden weitere Einsparungen angestrebt, um den
Haushalt wie bisher auch sehr sparsam und wirtschaftlich
zu vollziehen, unnötige Ausgaben zu vermeiden,
um am Jahresende eine geringere Zuführung
vom Vermögenshaushalt zu erzielen.
Zum Vermögenshaushalt:
In diesem Vermögenshaushalt mit 3.878.705 Euro
sind die Projekte enthalten, die der Gemeinderat
für diese Legislaturperiode auf die Schienen gesetzt
hat. Wir sind mit diesem Haushalt 2010 noch
in der Lage, gemeindliche Pflichtaufgaben aus den
Rücklagen finanzieren zu können.

Zu einzelnen Maßnahmen:
Im letzten Jahr habe ich in meiner Haushaltsrede
gesagt: Es liegt jetzt an uns, die Erwartungen so zu
erfüllen, dass ein finanziell verträglicher Weg gefunden
wird, der sowohl den Zielen einer soliden
Finanzwirtschaft als auch den Vorstellungen der
Bürger gerecht wird.
Dieser Spagat ist derzeit das Hauptproblem des
aktuellen Haushaltes. Die unterschiedlichen Standpunkte über die Finanzierung der Halle, haben sich
in den Abstimmungen gegenseitig blockiert. Damit
galt für die Haushaltsaufstellung die alte Beschlusslage.
Der jetzige Verlauf in der Finanzierung
ist ein realistisch prognostizierter Verlauf der Architekten-
und Genehmigungsplanung sowie des Mittelabflusses
bei einem stringenten Bauverlauf und
-ablauf. Aber es ist eine Planung - eine Projektion.
Es liegt in der Hand des Gemeinderats die Eck- und
Zeitpunkte der Planung festzulegen. Wir sind
auf einem Weg, die Halle ohne Schuldenaufnahme
finanzieren und eine Mehrheit im Gemeinderat dafür
erreichen zu können. Dafür sind aber angesichts
des großen Finanzbedarfs noch Weichenstellungen
nötig, die nicht übers Knie gebrochen
werden können und von heute auf morgen zu verwirklichen
sind.
Heuer wird der Kindergartenbau in Pöring begonnen. Die steigende Nachfrage der Kinderbetreuung im Ort und die rechtlichen Vorgaben der Bundesregierung machen den Bau notwendig. Kindertagesstätten gehören zu den gemeindlichen Pflichtaufgaben. Die Details zu der Planung und Finanzierung erfahren wir noch im Verlauf der heutigen Sitzung, Für dieses Vorhaben sind heuer 500.000 Euro eingeplant.
Daneben können Sie dem Investitionsplan viele Vorhaben entnehmen, die nicht diesen Großprojekten entsprechen, aber in der Summe auch einen erheblichen Teil ausmachen. Zum Beispiel der energetischen Sanierung der Gemeindegebäude mit 150.000 Euro, die nicht gekürzt wurde, der Straßensanierung, die um 50 % auf 150.000 Euro gekürzt wurde – wir profitieren jetzt von den konsequenten Sanierungsmaßnahmen beim Straßenbau in den letzten Jahren - und der Ausbau der Wertstoffinsel an der B304 mit 50.000 Euro, um nur einige zu nennen. Wir müssen dieses Jahr die Erschließung des Baugebietes Pöring West II mit 800.000 Euro vorfinanzieren. Dazu kommen noch Maßnahmen wie Brandschutzsanierungen in der Schule, Gebäudereparaturen und unabwendbare Sanierungsmaßnahmen in anderen Gebäuden.
Zusammengefasst ergeben diese Vorhaben eine Reduzierung der Rücklagen um etwas über 1 Million Euro. Ende dieses Jahres werden sie bei der Verwirklichung des Investitionsplans bei 4,427 Millionen Euro liegen.
Die Verwirklichung aller Vorhaben, die jetzt in der
Finanzplanung enthalten sind, bewirkt eine konkrete
Aufzehrung aller Rücklagen innerhalb von drei
Jahren und darüber hinaus eine geplante Kreditaufnahme
im Jahr 2013. Diese Verschuldung bedeutet
für die Gemeindefinanzen eine rechtlich
weitreichende Einschränkung des Bewegungsspielraumes.
Gemeinderat und Verwaltung müssen und
werden alle Anstrengungen unternehmen, dass es
nicht so weit kommt.
Dieser Haushalt 2010 ist zum jetzigen Zeitpunkt eine
Momentaufnahme. Die letztes Jahr absehbaren
finanziellen Unwägbarkeiten sind größtenteils leider
eingetroffen. Aber die derzeitigen Wirtschaftsdaten
verstärken meine Hoffnung, dass wir innerhalb eines
Haushaltsjahres die Talsohle bereits erreicht
haben. Diese Aussichten spiegeln sich in der Finanzplanung
für 2011 bis 2013 wieder, die von einer
moderaten Steigerung der Einkommensteuerzuweisung
und zumindest von einer gleichbleibenden
Gewerbesteuer ausgeht. Vom Landkreis gibt
es Signale, dass die Festsetzung der Kreisumlage
im kommenden Jahr der schlechten Finanzlage der
Landkreiskommunen Rechung tragen wird. Auch
Zorneding muss davon profitieren.
Selbstverständlich werden Sie über die Finanz- und Förderlage der Gemeinde Zorneding ständig auf dem Laufenden gehalten. Ich bitte um Ihre Zustimmung zum Haushalt 2010.
Piet Mayr, 1. Bgm.


