Der 1. Bürgermeister informiert:

Geothermieprojekt Grasbrunn-
Vaterstetten-Zorneding

Geothermieprojekt

In der Mai-Sitzung des Gemeinderats wurde mit einer Gegenstimme beschlossen, sich dem Projekt Geothermie Grasbrunn-Vaterstetten partnerschaftlich anzuschließen.

Partnerschaftlich bedeutet einen Zusammenschluss auf gleicher Augenhöhe. Inzwischen haben die Gemeinderäte von Grasbrunn und Vaterstetten jeweils einstimmig dem Antrag der Gemeinde Zorneding zugestimmt.

Die öffentliche Vorstellung der Wirtschaftlichkeitsrechnung für ein Gemeinschaftsprojekt Grasbrunn- Vaterstetten-Zorneding am 22.April 2010 im Gemeinderat ergab, dass unter den derzeitigen Randbedingungen ein befriedigend bis gutes Projektergebnis zu erwarten ist und daher der Einstieg für einen Investor mit den entsprechenden Rücklagen interessant sein dürfte. Gleichzeitig wurde im Gutachten der mögliche Wärmeabsatz für ein eigenständiges Zornedinger Modell als zu gering angesehen, um die Investitionskosten in absehbaren Zeiträumen zu amortisieren. Eine eigene Lösung für Zorneding scheidet also aus.

Da alle drei Gemeinden nicht über die nötigen finanziellen Reserven verfügen, um die Startinvestition (ca. 35 – 40 Mio. Euro) zu tätigen, ist die Suche nach einem Investor bei gegenwärtiger Konjunktur- und Finanzlage der Gemeinden unumgänglich. Bei ersten Sondierungsgesprächen mit möglichen Partnern signalisierten diese grundsätz grundsätzliches Interesse. Auch ein Bürgerbeteiligungsmodell mittels Genussscheinen und definierter Rendite ist, gegebenenfalls zusätzlich, denkbar.

Die Gemeinden Grasbrunn und Vaterstetten wurden aufgrund der zeitgleichen Beantragung ihres Claims durch das Bayerische Bergamt zur Zusammenarbeit verpflichtet. Die Gemeinde Zorneding hat durch die spätere Beantragung des Nachbarclaims bisher eine Eigenständigkeit, die jedoch durch die Einbeziehung der Gasspeicher in Anzing im Norden und Wolfersberg im Süden sowie einer geografisch prognostizierten Kälteanomalie (geringere Tiefentemperaturen) in Richtung Osten wesentlich höhere Anfangskosten und einen geringeren Ertrag erwarten lässt. Insofern ist sowohl für das Projekt Grasbrunn-Vaterstetten als auch für die Gemeinde Zorneding ein Zusammenschluss aller drei Gemeinden die wirtschaftlichste Variante. Kurz gesagt: Alleine kann es keine der Gemeinden stemmen, es geht nur zusammen.

Hinsichtlich der ökologischen Nachhaltigkeit der Tiefengeothermie stellt diese Technik einen entscheidenden Meilenstein dar, um die Energiewende 2030 und die weitestmögliche Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern, mit allen künftigen Preisschwankungen bzw. -steigerungen zu ermöglichen. Durch die Kalkulierbarkeit der Energiekosten werden zusätzlich die Nebenkosten der Anschlussnehmer gesenkt, was den Wohn- und Gewerbewert der Gemeinde erhöht.

Um etwaigen Gerüchten vorzubeugen: Ein Zwangsanschluss der Haushalte ist für den Gebäudebestand in Zorneding rechtlich nicht zulässig! Lediglich bei neuen Baugebieten könnte dieser festgelegt werden. Durch die kommenden wesentlich höheren Wärmedämmstandards und damit wesentlich geringerem Energieverbrauch, stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines Anschlusses dieser neuen Häuser an ein Fernwärmenetz. Die Geothermie ist deshalb hauptsächlich für den vorhandenen Gebäudebestand sinnvoll. Ein flächendeckender, freiwilliger Anschluss der Häuser im Ort kann nur über günstige Anschluss- und Verbrauchspreise und andere Kostenvorteile der Geothermie (z. B. kein Kaminkehrer, keine Brennerwartung etc.) erreicht werden.

Im Beschluss wurde auch festgelegt, dass die gemeindeindividuellen Ziele der Projektrendite untergeordnet werden. Die Vorgehensweise entspricht dem Grundsatz, dass eine partnerschaftliche Zusammenarbeit in erster Linie die optimale Projektrendite als Ziel haben muss. Eine „Quotenregelung“, z.B. ein jährlich anteilsmäßig gleicher Netzausbau pro Gemeinde (wie im Projekt Aschheim- Feldkirchen-Kirchheim) sollte daher nicht vereinbart werden, sondern die Erschließung sollte an der Nachfrage orientiert werden können. Dies dient dazu, das Projekt für Investoren attraktiver zu machen.

Der Gemeindratsbeschluss im Wortlaut:
Die Gemeinde Zorneding stellt den Antrag bei den Gemeinden Grasbrunn und Vaterstetten, dem Projekt Geothermie Grasbrunn-Vaterstetten partnerschaftlich beizutreten. Die Zusammenarbeit soll unter den Maßgaben vereinbart werden, dass

  • eine Investorenlösung, möglichst mit Bürgerbeteiligung, angestrebt wird, ohne dass größere finanzielle Beiträge durch die Gemeinde Zorneding vorgesehen werden
  • bisherige Ausgaben sowohl der Partnergemeinden als auch der Gemeinde Zorneding auf zukünftige Kapitalkonten einer gemeinsamen Gesellschaft angerechnet werden und nicht rückwirkend verrechnet werden
  • die partnerschaftliche Zusammenarbeit beinhaltet, dass individuelle gemeindepolitische Ziele der wirtschaftlichsten Projektrendite untergeordnet werden, jedoch der Endausbau für sämtliche Teile der Partnergemeinden angestrebt wird.

Für die Investorensuche ist die Vertraulichkeitsvereinbarung der Gemeinden Grasbrunn und Vaterstetten zu verwenden.

Beschlossen mit 17 : 1 Stimmen

Die drei Gemeinden sind jetzt auf Investorensuche. Sobald sich neue Aspekte dabei ergeben, werden Sie informiert.

Piet Mayr, 1. Bürgermeister

 

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